Am 24. Februar 2026 wurde Bischof Heiner Wilmer SCJ aus dem Bistum Hildesheim zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt.
K-TV durfte Bischof Wilmer bereits 2024 beim Katholikentag in Erfurt interviewen. Der Bischof teilt hierin seine Gedanken über den Heiligen Geist, die Eucharistie, die Anbetung Gottes und die Bedeutung des Fronleichnamsfests – es ist also eine sehr gute Gelegenheit, ihn und seine persönliche Spiritualität näher kennen zu lernen. Gleichzeitig bezieht er auch klar Stellung zum „Synodalen Weg in Deutschland“ und betont die Wichtigkeit der Lehramtstreue.
Das Interview können Sie in voller Länge auf unserem YouTube-Kanal sowie in unserer Mediathek sehen.

Eine Zusammenfassung des Interviews finden Sie hier in Textform:
Herr Bischof Wilmer, wie haben Sie den gestrigen ersten Abend (des Katholikentags, Anm.) erlebt?
„Gestern Abend fand ich stark – ein wunderbarer Abend mit großartiger Gastfreundschaft in Erfurt. Es war wunderschön, wie wir auf dem Domplatz versammelt waren, uns in die Augen geschaut haben und die verschiedenen Nationen und Sprachen erlebt haben. Das zeugt von der Katholizität der Kirche. Es war sehr geistlich und vom christlichen Glauben beseelt.“
Wie kann man den Menschen von heute den Heiligen Geist am besten erklären?
„Der Heilige Geist ist die Überraschung. Ein Vorbild im Umgang damit ist Maria, weil sie sich hat überraschen lassen und nicht die Hände und Füße gestreckt hat, sondern in sich ruhig blieb und das ‚Fiat‘ sprach.“
Wie haben Sie dieses Wirken des Heiligen Geistes in Ihrem eigenen Leben erfahren?
„In vielen Punkten, etwa bei meiner Berufung. Ich bin mit 19 Jahren in den Orden der Herz-Jesu-Priester eingetreten. Der Zölibat war für mich damals eine heftige Anfrage, und viele sagten mir, ich sei zu jung und hätte noch nichts von der Welt gesehen. Aber ich habe innerlich gespürt, dass ich etwas riskieren kann. Für mich ist der Heilige Geist auch der Mut zum Risiko.“
Welche Tipps würden Sie Gläubigen geben? Wie können wir aus dem Heiligen Geist Leben und seine Stimme hören?
„Das Wirken des Heiligen Geistes braucht Stille und Schweigen. Man muss bei sich selbst bleiben und darf keine Angst vor dem Alleinsein haben. Zweitens ist das diskrete Gespräch mit einer Person der spirituellen Begleitung oder einem Beichtvater wichtig. Also: Schweigen/Stille/Gebet und ein gutes geistliches Gespräch.“
Was bedeutet die Erneuerung des Heiligen Geistes für die Weltkirche?
„Den Heiligen Geist in der Weltkirche wahrzunehmen heißt für uns Deutsche, dass wir uns nicht zu sehr nach vorne schieben. Wir sollten nicht meinen, am „deutschen Wesen“ müsse alles genesen. Wir müssen auf Menschen aus Afrika oder Asien hören, ihre Mentalität ernst nehmen und sie fragen: „Wo drückt euch der Schuh?“ Wir dürfen nicht arrogant wirken, sondern müssen hinhören.“
In Deutschland gibt es den Synodalen Weg, weltweit den Synodalen Prozess. Wie ordnen Sie das ein?
„Der Synodale Weg in Deutschland muss in die Weltsynode einmünden. Wir können keinen deutschen Sonderweg feiern. Wir sind römisch-katholisch und stehen hinter Papst Franziskus und dem Lehramt. Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam unterwegs sind. Vielleicht sollten wir weniger Texte schreiben und stattdessen mehr Cappuccino miteinander trinken und uns in die Augen schauen.“
Das Motto des Katholikentags lautet „Zukunft hat der Mensch des Friedens“. Wie ordnen Sie dieses Motto ein?
„Das Motto entstammt Psalm 37. Damit befinden wir uns im Gebetsmuster Jesu. Es geht um die uralte Tradition Gottes, der bei den Menschen ist und sich einsetzt, damit alle ein Leben in Fülle haben.“
Gibt es ein persönliches Highlight, auf das Sie sich besonders freuen?
„Ein spezielles Highlight kann ich gar nicht nennen. Es ist wie ein großes Familientreffen. So viele bekannte Leute in so kurzer Zeit zu treffen, geht nur auf dem Katholikentag. Die Begegnung mit den Menschen ist das Beste.“
Heute gedenken wir besonders des Leibes und Blutes Christi. Können Sie Fronleichnam kurz erklären, besonders für jene, die sich mit diesem Fest schwertun?
„Fronleichnam feiert den Kern unseres Glaubens: die Inkarnation. Gott wird Fleisch, er bleibt keine abstrakte Idee, sondern bekommt einen Körper und ein Herz für die Welt. Es bedeutet auch, dass wir durch Gott zu uns selbst finden dürfen – wie komme ich gut in meine eigene Haut?“
Manche fragen provokant: Beten Katholiken da ein Stück Brot an?
„Dem begegne ich ganz entspannt. Wir beten Gott an, er steht im Zentrum. Es ist keine Magie. In dem Stück Brot verehren wir die Gegenwart Gottes so wie in keiner anderen Materie. Jesus nimmt das Brot, bricht es und sagt: „Das bin ich, ich gebe mich für euch hin.“ Wir halten diese Präsenz Gottes in der Welt hoch.“