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Im September begleitet uns bei ‚Unser Sonntag‘ Pater Mauritius Wilde, OSB, von der Abtei Sant‘ Anselmo auf dem Aventin in Rom.

In Hildesheim geboren und aufgewachsen, trat er mit 19 Jahren in die Benediktinerabtei Münsterschwarzach ein. Pater Mauritius studierte Theologie in Würzburg und promovierte in Tübingen in katholischer Theologie.
Er war zunächst Prior der US-amerikanischen Niederlassung des Klosters Münsterschwarzach in Schuyler, Nebraska. Seit 2016 ist er Prior der Benediktinerabtei Sant’ Anselmo in Rom.
Der Benedikter hat zahlreiche Bücher in deutscher Sprache verfasst. In englischer Sprache erscheint sein Blog wildemonk.net mit regelmäßig erscheinenden spirituellen Impulsen; seine Podcasts erscheinen auf https://www.discerninghearts.com/catholic-podcasts/
Die vollständige Betrachtung hören Sie in unserer Abendsendung am Samstag.
(radio vatikan – redaktion claudia kaminski)
P. Mauritius Wilde OSB
Mk 7,31-37
Der Körper des Menschen ist ein Wunderwerk. Unser Leib ist wirklich faszinierend. Es ist zum Beispiel beeindruckend, wie der Körper gebaut und gebildet ist. Alles ist sehr großzügig ausgelegt: wir haben zwei Lungen, zwei Augen, zwei Ohren, zwei Nieren, Redundanzen nennt man das; wenn ein Organ ausfällt, kann das andere die Funktion noch übernehmen.
Hier zum Nachhören
Der Körper und die Seele arbeiten ständig daran, Verletzungen wieder zu heilen: eine Wunde zum Beispiel schließt sich wieder durch die Gerinnung des Blutes, wenn Nerven verletzt sind, versucht der Körper, neue Bahnen zu finden. Selbst seelische Verletzungen, Traumata, die man noch gar nicht so lange kennt und nachweisen kann, haben Heilungsmechanismen. Damit die Seele nicht völlig überfordert ist, verdrängt sie zunächst das Erlebte, bis eines Tages die Psyche in der Lage ist, – ganz langsam – sich dem Geschehenen zu stellen.

Tendenz der Seele, heil zu werden

In der Pandemie haben wir auch viel gehört über unser Immunsystem. Das hält eine ganze Reihe von „Waffen“ parat, um Dinge, die in unseren Organismus eindringen und uns schaden wollen, hinauszuwerfen. Man könnte so sagen: Im menschlichen Körper und in der menschlichen Seele gibt es so etwas wie eine unentwegte, ständige Tendenz, gesund und heil zu bleiben, gesund und heil zu werden.
So sind wir geschaffen, so hat uns Gott gemacht. Als Ebenbilder Gottes spiegeln wir damit etwas von dem wider, was wir über Gott in der Heiligen Schrift gehört haben: Gott will unser Heil, unsere Gesundheit. Er öffnet die Augen der Blinden, er öffnet die Ohren der Tauben, er macht die Lahmen springen wie ein Hirsch.
Und so erleben wir es auch mit Jesus, dem Sohn Gottes. Eines Wesens mit dem Vater, kann er nicht anders als heilen, weil der Vater das Heil will und das Heil aller ist. So ist Jesus unser Heiland und sein Name „Jeshua“ bedeutet: Gott rettet. So hat es der Prophet Jesaja verheißen: „Er selbst kommt und wird euch retten.“

Krankheit ist eine Fessel…

Nun werden Sie, liebe Zuhörinnen und Zuhörer, vielleicht denken – zumal wenn sie gerade an einer Krankheit leiden, vielleicht sogar unter einer chronischen – naja, wenn es so einfach wäre: „Der Lahme springt wie der Hirsch“, wenn ich da an meine künstlichen Knie denke…, an meine Hüftschmerzen usw. Vielleicht haben Sie auch schon viel um Heilung gebetet, aber sie ist nicht so eingetreten, wie Sie sich das gewünscht haben.
Ja, Krankheit ist tatsächlich eine Fessel. Man ist durch sie wie gelähmt, wie ein Lahmer. Oder wie es im Evangelium heißt: „Seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit.“ Krankheit bindet uns, hält uns am Boden. Die Heilung stattdessen ist wie ein Befreiung. Oft handelt es sich ja um ein ganzes Bündel von Krankheiten: eine seelische Schwäche löst etwas Somatisches aus. Eine kaputtes Knie verändert die Statik im Körper und der Rücken leidet. Daher kann man schon mal den Mut verlieren im Angesicht der Krankheit. Die Traurigkeit allerdings ist selbst ein Dämon, der uns krank hält, ja sogar krank macht.
„Sagt den Verzagten: Seid stark, fürchtet euch nicht! Seht, euer Gott!“
Daher ruft uns Jesaja zu: „Sagt den Verzagten: Seid stark, fürchtet euch nicht! Seht, euer Gott!“ Das sollten auch wir uns immer wieder gegenseitig zurufen, wenn wir verzagt sind, wenn wir frustriert sind. Als Brüder und Schwestern dürfen wir uns stärken und Mut machen und sagen: „Sei stark, fürchte dich nicht.“ Eine positive Haltung in der Krankheit ist extrem wichtig, das weiss die Medizin. Wir Christen haben noch einen Grund mehr, zuversichtlich zu sein, denn wir können Gott vertrauen: „Verzagt nicht, siehe, Euer Gott.“

Auf Gott schauen ist der Schlüssel

Auf Gott schauen, das ist der Schlüssel. Schauen wir einmal genauer auf Jesus, wie er heilt. Wie heilt Jesus die Menschen? Durch Berührung. „Jesus nahm den Mann beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel.“ Jesus berührt die Ohren des Taubstummen, dann sogar die Zunge des Mannes mit seinen Fingern (das war lange vor Corona!).“ Jesus heilt durch Berührung.
Die Berührung ist etwas außer Mode gekommen. Zum einen dürfen wir Priester wegen der ganzen Missbrauchsfälle kaum noch Menschen berühren, und nun während der Pandemie sollten wir uns ohnehin alle so wenig wie möglich berühren, um unsere Gesundheit zu schützen. Das macht Sinn. Aber das ist wirklich hart.

Berührung ist Teil der Heilung

Denn die Berührung ist tatsächlich ein Teil der Heilung. Aber wir sollten uns aber – wie gesagt – nicht entmutigen lassen. Fest steht: Gott will uns berühren. Daher ist Gott Mensch geworden, damit er uns berühren kann, hier auf dieser Erde, ganz konkret, spürbar. Um uns zu heilen, von welcher Krankheit auch immer. Jesus will mich berühren. Dieser sein Wille bleibt bestehen, auch in der Pandemie. Und Jesus findet seinen Weg zu uns. Durch alle Widerstände hindurch.
Wir können einmal überlegen, wo Jesus mich berührt? Es gibt unendliche viele Möglichkeiten, wie er zu mir kommen kann. Ich brauche es nur wahrzunehmen. Wenn mich z. B. ein Gebet, ein Lied, ein Heiligenbild „berührt“. Manchmal fangen wir beim Singen oder Beten an zu weinen. ER berührt mich. Wenn ich in einem Traum angesprochen werde, kann das Seine Berührung sein. Wenn mich in einem Gespräch das Wort eines Menschen berührt. In der Natur kann mich Gott berühren, wenn mir ein leichter Wind um die Nase weht; wenn ich die Abendsonne betrachte; und, und, und. Jesus will mir nahe sein, er will mich berühren. Oder wie der Psalm 139 sagt: „Von hinten und von vorn hast du mich umschlossen, hast auf mich deine Hand gelegt.“

Wunderbare Heilmittel: Die Sakramente

Und unsere Kirche hält wunderbare Heilmittel bereit, in denen ich von Jesus berührt werde: die Krankensalbung, die Eucharistie, in der sich der Leib Christi auf meine Hand legt und ich ihn verzehren darf. Das Sakrament der Busse, in dem ich vom Priester die Worte hören darf (nicht nur irgendwie virtuell oder vorgestellt): „Ich spreche Dich los von Deinen Sünden.“ Deine Sünden sind Dir vergeben. Und schließlich im Wort Gott, im Gottesdienst oder in der privaten Betrachtung, in der mich Jesus berührt.
Liebe Schwestern und Brüder, halten wir unsere kleinen oder großen Gebrechen dem Herrn hin. Lassen wir uns von ihm berühren. Er will uns heilen. Er will uns befreien. Er ist unser Heiland. Wir können uns auch gegenseitig dabei unterstützen. Wie ist es denn zur Heilung des Taubstummen gekommen? Da waren Leute, die ihn zu Jesus hingebracht haben.

Kranke besuchen…

Das können auch wir tun mit unserem Gebet. Denn die Kranken unter uns sind unsere Armen. Und der Jakobusbrief fordert uns dazu auf, uns besonders um die Armen zu kümmern.
Wir könnten uns diese Woche einmal bewusst Zeit nehmen für die Kranken (auch die Alten): sie berühren, mit einem Besuch, einem Anruf, einer Karte, einem aufmunternden Wort, einer konkreten Hilfe. Dabei nehmen wir teil am Heilswerk, am Heilungswerk Christi, unseres Heilands, der ununterbrochen nichts anderes tun will, als uns zu heilen, als diese Welt zu heilen. Wenn schon der menschliche Leib in sich ständig die Tendenz hat, heil zu werden, um wie viel mehr dann der Leib Christi, das ist die Kirche. Das sind wir. Der heilige Benedikt sagt in seiner Regel: „Die Sorge für die Kranken ist eine erste und höchste Pflicht. Man diene ihnen wirklich wie Christus. Er selbst hat ja gesagt: ich war krank und ihr habt mich besucht.“ (RB 36)
(radio vatikan – redaktion claudia kaminski)

 

Im September begleitet uns bei ‚Unser Sonntag‘ Pater Mauritius Wilde, OSB, von der Abtei Sant‘ Anselmo auf dem Aventin in Rom.
In Hildesheim geboren und aufgewachsen, trat er mit 19 Jahren in die Benediktinerabtei Münsterschwarzach ein. Pater Mauritius studierte Theologie in Würzburg und promovierte in Tübingen in katholischer Theologie.
Er war zunächst Prior der US-amerikanischen Niederlassung des Klosters Münsterschwarzach in Schuyler, Nebraska. Seit 2016 ist er Prior der Benediktinerabtei Sant’ Anselmo in Rom.

Der Benediktiner hat zahlreiche Bücher in deutscher Sprache verfasst. In englischer Sprache erscheint sein Blog wildemonk.net mit regelmäßig erscheinenden spirituellen Impulsen; seine Podcasts erscheinen auf https://www.discerninghearts.com/catholic-podcasts/