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Bischof Overbeck erläutert, dass das Evangelium uns vorbereitet wie bei einer großen Katechese, die uns zeigt wer wir Menschen sind. Johannes redet seinen Zeitgenossen – und auch uns – unerbittlich ins Gewissen. Denn: Getauft zu sein heißt, voll des Geistes zu sein und so zum Licht zu werden.
Dr. Franz-Josef Overbeck

3. Advent

Lk 3, 10-18 

Am dritten Adventssonntag begegnet uns noch einmal Johannes der Täufer.
Nachdem wir schon am letzten Sonntag gehört haben, dass er derjenige ist, der den Weg für Jesus bereitet, sind es heute die Leute, die ihn konkret fragen, was sie denn tun sollen.

Das Lukasevangelium, das für Heidenchristen geschrieben ist, brauchte konkrete Anweisungen, um deutlich zu machen – so geht Christentum, so wird es handfest und begreifbar. Das wird jetzt im dritten Kapitel des Lukasevangeliums auch erzählt.

 

Ein großes Herz haben

Auf die Frage, was die Leute denn tun sollen, die den Messias erwarten, antwortet Johannes: Wer zwei Gewänder hat, soll eines abgeben, also großzügig sein, ein großes Herz haben.Wer ein großes Herz hat, der kann den erwarten, der für uns Menschen ein großes Herz hat.

Gott und Jesus ist, in diesem Bild gesprochen, nichts anderes als das Herz Gottes für uns, großzügig abgebend. Schließlich gibt er sich selbst ganz weg am Kreuz. Und dann sind es die Zöllner, die zu Johannes kommen und denen sagt er, sie sollen ehrlich sein und keinen Menschen übervorteilen. Ehrlichkeit, Klarheit und damit eine Haltung der Redlichkeit sind gefragt.

 

Ehrliche und redliche Menschen

In der Welt von heute, in der wir leben, braucht es immer wieder solche Menschen, die im besten Sinne des Wortes – koste es, was es wolle – redlich und ehrlich sind. Menschen, die eben zur Großzügigkeit, zum großen Herzen, das Redliche und das Ehrliche hinzufügen und damit eine Haltung einnehmen, die sich vor allen Dingen im Gewissen zeigt.

 

„Das Gewissen ist der Ort, an dem für jeden sehr persönlich Gott zu uns spricht.“

Das Gewissen ist der Ort, an dem für jeden sehr persönlich Gott zu uns spricht. Den Zöllnern ins Gewissen zu reden, ist eine der lebenslangen Aufgaben, die Jesus sich selbst stellt. Nicht umsonst kehrt er immer wieder bei den Zöllnern ein. Nicht umsonst erzählt auch das Lukasevangelium von solchen Besuchen. Nicht umsonst sind es Figuren wie Zachäus, die erfahren, wie der redliche, ehrliche, großzügige Jesus ihnen zeigt: So geht das Leben.

Und wenn wir im Advent durch Johannes im Blick auf die Zöllner davon hören, werden wir vorbereitet. Es ist wie bei einer großen Katechese, wenn wir zu den Sakramenten der Kirche gehen, um Jesus Christus auf besondere Weise zu empfangen, die uns zeigt, wer wir Menschen sind.

 

„Zu den Soldaten: Misshandelt niemanden! Lasst alle am Leben! Wendet keine Gewalt an!“

Katechese – darin steckt das Wort ‚Echo‘. Es kommt aus dem Griechischen und hat damit zu tun, einen Widerhall zu geben. Wer in diesem Sinne ehrlich ist, der gibt einen Widerhall auf die große Redlichkeit und Ehrlichkeit Gottes, der in Jesus Mensch wird. Darauf weist Johannes ziemlich unerbittlich die Zöllner hin. Und schließlich kommen auch die Soldaten.
Hier wird Johannes noch deutlicher. Misshandelt niemanden! Lasst alle am Leben! Wendet keine Gewalt an!

 

Johannes redet ins Gewissen

In der damaligen Zeit wurde das heutige Heilige Land regiert von den Römern. Tag für Tag gab es überall unendliche Formen von Gewalt, von Erniedrigung, von Möglichkeiten, Menschen ihre Würde zu nehmen, ihnen zu verbieten, ihre Religion auszuüben, sich als wirkliche Menschen in der Tradition zu verstehen, die Gott verehrten. Genau da redet Johannes ihnen ins Gewissen.
Sie daran erinnernd, denn zu den frühen Christen gehörten auch Soldaten: Wenn ihr Christen sein wollt, wenn ihr euch auf Jesus einlasst, misshandelt niemand, gebt jedem seine Würde zurück. Fragt euch in eurem Gewissen vor Gott, wer ihr seid.

 

Evangelium bereitet vor auf die Ernsthaftigkeit des Alltags

Das Evangelium bereitet uns in diesem Sinne auf die Ernsthaftigkeit eines Alltags vor, der geprägt ist von der Nachfolge Jesu, das aber im Blick auf den Advent geprägt ist von den prophetischen Worten und dem prophetischen Gestus des Johannes, der hinweist auf den, der kommt.

Denn in diesem Sinne geschieht die Menschwerdung Gottes, so sehr sie geschichtlich einmal geschehen ist in Jesus von Nazareth, Tag für Tag immer wieder in uns und allen Getauften, in allen, die zu Christus gehören und so in der Breite der ganzen Christenheit. Aber die Frage ist dann wie?
Und genau darauf gibt das Lukasevangelium heute auch noch eine klare Antwort: Wer so leben will, lebt aus dem Geist und aus dem Feuer.

 

„Wer so leben will, lebt aus dem Geist und aus dem Feuer.“

Das sind zwei Bilder, die uns eigentlich in unserer Tradition an Pfingsten erinnern, aber zugleich auch, und davon ist die Bibel voll, an die Kraft Gottes, die so ist wie ein Feuer, das reinigt. Aber auch wie ein Feuer, das Licht gibt.

Oder wie ein Geist, der einen ganz durchdringt und erfüllt und einen selbst zu einem geistvollen Menschen macht, der seinen Verstand gebraucht und der Vernunft Raum geben kann, um zu zeigen: Wer so lebt, wartet auf Gott und nicht nur auf sich selbst.

 

Für wen brennen wir?

Unter heutigen Bedingungen kann das, welchen Beruf wir auch immer ergriffen haben, mitten in unser eigenes Herz gehen und uns fragen lassen: Aus wessen Geist leben wir eigentlich? Für wen brennen wir? Nicht nur im Lukasevangelium, auch in den anderen Evangelien wird immer wieder deutlich, dass Jesus im Geist und im Feuer kommt. Das Wort ist durchaus auch ernst gemeint. In der historischen Erfahrung der Hörer des Lukasevangeliums war die Zerstörung des Tempels zu Jerusalem mit den Schrecknissen des Feuers, des verbrennenden Tempels, ganz gegenwärtig. Feuer kann auch vernichten. Aber Feuer kann eben auch so wie am Dornbusch reinigen, erleuchten und hell machen.

 

„Wir müssen Menschen der Gewissenserforschung sein“

Wenn wir uns jetzt auf Weihnachten vorbereiten, kann uns die Gestalt des Johannes darauf hinweisen. Was tun wir, um uns auf die Ankunft dessen vorzubereiten, von dem das Lukasevangelium erzählt? Auf den Mensch gewordenen Gottessohn, der sich ganz handfest den Nöten der Menschen, den Sorgen jener am Rande zugewandt hat, die seine Hilfe brauchten? Wir müssen Menschen der Redlichkeit sein. Menschen der Ehrlichkeit, Menschen der Gewissenserforschung und der Hilfe für alle, die Hilfe brauchen, um ihrer Würde gemäß leben zu können.

Gottes Gegenwart bezeugen

Und dafür braucht man, wie es im Evangelium heute heißt, Geist und Feuer.
Als eine Gabe Gottes selbst, die in uns brennt, die uns zu Lichtern für andere machen kann, die aber auch zeigt: Christentum und Christsein ist eine sehr konkrete Angelegenheit. Und sie braucht Menschen, die bezeugen, was es bedeutet, Gottes Gegenwart unter uns zu zeigen, so wie sie in Jesus da ist – geistvoll und wie ein Feuer leuchtend.

 

Seid Licht der Welt

Bei der Taufe haben die Heidenchristen erfahren, was das heißt.
Ihnen wurde, so wie es heute auch noch ist, ein Licht übergeben.
Heute nennen wir es die Taufkerze. Sie leuchtet über denen, die getauft worden sind. Getauft zu sein heißt, voll des Geistes zu sein und so zum Licht zu werden. Im Matthäusevangelium heißt es darum am Anfang der Bergpredigt und in abgewandelter Form auch im Lukasevangelium: Seid Licht der Welt.
Ich wünsche Ihnen einen geistvollen und lichtreichen, adventlichen Sonntag.

(radio vatikan – redaktion claudia kaminski)

Im Dezember begleitet uns bei „Unser Sonntag“ der Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck. Der in Marl geborene Oberhirte der Diözese ist seit 2009 im Amt und seit 2011 Militärbischof der Bundeswehr. Er studierte Theologie und Philosophie in Rom unter anderem an der Gregoriana. Joseph Kardinal Ratzinger weihte ihn 1989 zum Priester.
Zunächst war Overbeck in Haltern als Kaplan tätig und wurde 1994 zum Domvikar in Münster. Nach der Promotion übernahm der Theologe im Jahr 2000 die Leitung des Instituts für Diakonat und pastorale Dienste im selben Bistum, dessen Weihbischof er 2007 wurde.