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Pater Sebastian Ortner bringt uns den wahren König Jesus Christus näher – als barmherzigen und zugewandten König, dem wir vertrauen können und der letztendlich immer für uns da ist.

Pater Sebastian Ortner SJ

Christkönigssonntag

Lk 23, 35-43

Wir feiern heute Christkönig.

Aber was bedeutet das eigentlich, dass Jesus ein König ist? Klingt das nicht anachronistisch?
Könige und Königinnen, Prinzessinnen und Prinzen kennen wir eher aus Märchen. Höchstens noch aus Illustrierten Zeitschriften, die über die Fürsten- und Königshäuser in Europa und weltweit berichten.
Jesus ist da sicherlich ein spezieller Fall eines Königs.
Er ist ein König, der Obdachlose zum Essen einlädt und der seinen Untergebenen die Füße wäscht.
Er ist ein König, der es ablehnt, sich durch Gewalt Respekt und Einfluss zu verschaffen.
Und genau das führt zu Unverständnis und Ablehnung – ja, sogar zu Spott ihm gegenüber, wie es im heutigen Evangelium nach Lukas heißt.

Der verspottete König

Die führenden Männer des Volkes und die Soldaten verspotten Jesus.
Über ihm steht am Kreuz geschrieben: Das ist der König der Juden.
Er wird verspottet, verhöhnt und ausgelacht.
Jeder weiß, wie sich das anfühlt, wenn andere sich über einen lustig machen.
Noch dazu, wenn dies Leute sind, die hochangesehen sind, die Würdenträger des Ortes.
Da geht es so richtig gegen die Würde der Person, die ausgelacht wird.

„Es ist pure Schadenfreude, die da aufkommt unter den Anführern.“

Es ist pure Schadenfreude, die da aufkommt unter den Anführern. Dieser Wunderheiler aus Galiläa hatte schließlich viel Volk hinter sich gebracht.
Dem musste Einhalt geboten werden: Es geschieht ihm doch nur Recht, wenn er nun verspottet wird.
Jesus wird zur Zielscheibe von konfusem Zorn der aufgewiegelten Menge. Sogar einer der beiden Verbrecher, die neben ihm am Kreuz hängen, verhöhnt ihn:
Bist du denn nicht der Christus? Dann rette dich selbst und auch uns!

Ein König rettet sich (nicht) selbst!

Wenn er schon denkt, er sei der Messias, dann wird er sich doch um sich selbst kümmern können!
Wenn er schon andere geheilt hat, warum hilft er sich dann nicht selbst?
Der Anführer muss sich durchsetzen, so die Logik. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten können nicht, sie wollen sich nicht einem Mann anvertrauen, der so gar nicht in ihr Konzept des Messias passt. Sollte ausgerechnet er der Messias sein? Sie wollen nicht, sie können nicht an einen Gott glauben, der Mensch wird, der stirbt, noch dazu an einem Kreuz.
Der Messias muss nicht nur sich selbst, sondern alle retten können; und zwar so, wie die Führungsleute des Volkes sich das vorstellen: Mit offenkundiger Macht! Was die Anführer des Volkes wollen ist, es selbst in der Hand zu haben, sich selbst zu erlösen.
Das ist die Alternative, das ist es, wozu wir uns selbst zwingen, wenn wir unsere letzte Hoffnung nicht auf Gott setzen. Dann müssen wir uns letztlich selbst retten, weil es sonst niemand macht.
Aber: will ich so leben? Möchte ich aus einer Grundhaltung leben, in der ich mich letztlich selbst retten muss?

Der am Kreuz erhöhte König

Scheinbar kann sich Jesus nicht einmal selbst retten.
Er vertraut darauf, dass sein Vater ihn rettet; und doch wird er gekreuzigt.
Es scheint, als wäre sein Vorhaben gescheitert. Das Vertrauen Jesu scheint vergeblich. Doch auf den zweiten Blick, mit österlichen Augen betrachtet, wendet sich die Perspektive um 180°. Jesus, der Sohn Gottes, steht auf der Seite der Verstoßenen, der Verspotteten, der Ausgestoßenen, der Vergessenen. So einen König verehren wir Christen aus gutem Grund. Jesus ist König, weil er menschgewordenes Bild des unsichtbaren Gottes ist (Kol 1,15). Er ist das Gesicht, durch das uns der unvorstellbare Gott liebevoll anblickt. Sein liebender Blick ist der Grund unserer Beziehung zu Gott. Wenn wir das glauben, verändert sich unser Leben. Wir müssen uns dann nicht mehr selbst retten; wir müssen uns auch keinem irdischen König, keiner irdischen Königin, nichts und niemandem mehr, was auf dieser Welt Macht über uns hat, unterwerfen. Durch diesen Glauben an Jesus Christus, den Gekreuzigten, haben wir wahre Gemeinschaft mit Gott.
Mit Gott, der sich uns in Jesus Christus bedingungslos zuwendet.

Der zugewandte König

Selbst als Gefangener und Gedemütigter bleibt Jesus den anderen und seinem Vater zugewandt. Er wendet sich auf seinem eigenen Kreuzweg tröstend jenen zu, die um ihn weinen. Selbst in seinem Tod wendet er sich seinem Vater im Himmel zu, indem er ihm seinen Geist übergibt.
Das heutige Evangelium enthält eine Spannung zwischen dieser Haltung der Zuwendung Jesu und mancher Menschen ihm gegenüber, und der Haltung der Ablehnung, des Sich-Abwendens. Die Volksmenge ist Jesus scheinbar zugewandt, weil sie sehen will, was passiert. Gleichzeitig ist sie von ihm abgewandt, weil sie alles nur aus der Distanz betrachtet. Die Verhaftung und Kreuzigung Jesu ist für sie ein Spektakel. Die Leute folgen dem Geschehen äußerlich, aber nicht innerlich. So ähnlich, wie neugierige Schaulustige bei einem Unfall das Geschehnis verfolgen, aber nicht innerlich dabei sind, nicht bereit sind zum Helfen.
Jesus ist da anders.
Er ist dem verletzten Menschen nahe.
Er ist barmherzig, auch dem Verbrecher gegenüber, der neben ihm gekreuzigt wird.

Der barmherzige König

Dieser reuige Schächer bittet Jesus, an ihn zu denken, wenn er in sein Reich kommt.
Darauf antwortet ihm Jesus: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Jesus spricht hier, noch am Kreuz, mit der Gewissheit des Sohnes Gottes, mit königlicher Souveränität. Dieser Satz Jesu ist der letzte Satz an einen anderen Menschen, bevor er stirbt.
„Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein!“.
Mit gleicher Autorität spricht Jesus, ebenfalls im Lukasevangelium, bei seiner Antrittspredigt in Nazareth: Heute hat sich das Schriftwort erfüllt, das ihr soeben gehört habt! Ja, er ist wahrhaft der Messias, der Gesalbte, der Gottesknecht, Gottes geliebter Sohn, der für uns da ist, jetzt und heute.

„Durch die Taufe auf den Namen Jesu sind auch wir gesalbt, zu Königinnen und Königen..“

Königinnen und Könige durch Jesus Christus
Liebe Schwestern und Brüder!
Durch die Taufe auf den Namen Jesu sind auch wir gesalbt, zu Königinnen und Königen.
Wir tragen eine Verantwortung für diese Welt.
Und diese Verantwortung können wir wahrnehmen, weil wir uns letztlich nicht selbst retten, weil wir auf den vertrauen, der für uns da ist, weil wir nicht allein dastehen.
Wir müssen uns letztlich nicht selbst retten.
Wir dürfen auf ihn vertrauen – den König, der für uns gestorben und auferstanden ist!

Gesegnetes Hochfest Christkönig!

(radio vatikan – redaktion claudia kaminski)