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Joachim Schroedel ist der Meinung, dass der Mensch Gott sehr viele Sorgen, Arbeit und Mühe macht. Pastoralpläne werden geschmiedet, doch der Geist der Freude und der Hoffnung auf den Geist dessen, auf dessen Hilfe man sich verlassen kann, kommt zu kurz.

Msgr. Joachim Schroedel

14. Sonntag im Jahreskreis C

Lk 10, 1-12.17-20

In meinen Studienjahren ab 1974 hörte man immer wieder den Satz: Gott braucht den Menschen. Mir war eigentlich unwohl, diesen Satz hören zu müssen. Gott hat den Menschen erschaffen, er gibt ihm Freiheit. Gott ist der Gott der selbstlosen Liebe. Das war mir in meiner religiösen Erziehung gesagt worden.

Und nun musste ich hören: „Gott braucht den Menschen“. Nein, rebellierte ich auf: Gott hätte sich viel erspart, wenn er den Menschen nicht erschaffen hätte; das war meine Meinung. Der Mensch macht ihm nur sehr viele Sorgen, viel Arbeit und Mühe.

Im heutigen Evangelium scheint es in die gleiche Richtung zu gehen: Jesus sendet Jünger aus, um ihm offensichtlich zu helfen, ihm einen Weg zu bereiten. Denn er will selbst zu den Menschen kommen. Also doch: Gott braucht Menschen?

Leben nach dem Willen Gottes

Es tut gut, zu differenzieren. In der Aussage „Gott braucht den Menschen“ klingt mit, wir würden ihm helfen, seine Schöpfung zu einem guten Ende zu führen. Das Gegenteil ist der Fall – wie wir immer und immer wieder sehen. Wir zerstören seine Schöpfung, weil wir uns gegen ihn und seine Ordnung erheben. Alles wäre so einfach, wenn wir so lebten, wie es seinem Willen entspricht.
Gott braucht den Menschen – weil er ihm helfen will, aus seiner selbst verschuldeten Verstrickung in das Böse zu kommen! Er braucht den Menschen – um ihn zu erlösen!

Verkünden der Frohen Botschaft

So ist wohl auch die Aussendung der 70 (oder 72) Jünger zu verstehen. Er braucht diese Menschen, um die Frohe Botschaft von der erlösenden Herrschaft Gottes zu verkünden! Die Ernte ist groß, aber es gibt nicht genügend Arbeiter, um die Ernte einzubringen. Doch diese Ernte ist nicht das von Menschen „Geleistete“; es sind nicht die guten Taten, über die Gott am Ende der Tage stolz wäre. Nein, der Mensch bringt nichts anderes hervor als Fragen, Probleme und Nöte. Die Ernte, das ist nichts Großes. Es ist vielmehr die Sündhaftigkeit des Menschen, derer Gott sich erbarmen will.
„Seht, ich sende Euch wie Schafe unter die Wölfe!“. Hier wird extrem deutlich, was die Arbeiter erwartet, welche die Ernte einbringen sollen. Man wird sie ablehnen und sogar zerreißen. Denn ihre Botschaft ist: Nicht ihr Menschen vermögt, Leistung zu zeigen; nur von Gott kommt Erlösung.

Das Reich Gottes ist nahe!

Die Kranken sollen geheilt werden, und immer wieder wird, durch Wort und Tat, den Menschen gesagt: Das Reich Gottes ist nahe!

Als die Jünger zurückkehren, berichten sie „…voll Freude: Herr, sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir deinen Namen aussprechen“. Nichts schadet ihnen, obgleich sie doch unter die Wölfe geraten. Die „ganze Macht des Feindes“ wird überwunden durch die Jünger, die auf den Herrn und sein Reich verweisen. Keine Macht dieser Welt kann sie aufhalten. Die Macht Gottes, die in Jesus präsent geworden ist, rettet alleine.

Doch welcher Art diese „Macht“ ist, zeigt sich erst nach der „Vollendung“ Jesu in seinem Tod und seiner Auferstehung. Hier, in Jesus, dem wahren Menschen und wahren Gott, wird durch seinen Gehorsam und seine Hingabe die Macht der Welt, die vermeintliche, stolze, aber letztlich so wirkungslose Macht, gebrochen.

„In meiner Jugend war es noch jedem klar: Der erste Donnerstag des Monats ist Priesterdonnerstag.“

In meiner Jugend war es noch jedem klar: Der erste Donnerstag des Monats ist Priesterdonnerstag. An diesem Tag, der auch an den Gründonnerstag und die Einsetzung der allerheiligsten Eucharistie erinnert, bittet die Kirche so, wie Jesus gelehrt hat:

„Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.“

Lukas unterscheidet wohl nicht sehr zwischen Jüngern und Aposteln. Es sind nicht nur die Zwölf, die Jesus auswählt. Mit der Zahl 70 (oder 72) knüpft Lukas an die alttestamentliche Vorstellung an, dass es 70 Völkerschaften auf dieser Erde gibt. Der Heilswillen Christi ist universal.

Heute sind die Bischöfe und die Priester diese Arbeiter, die in die große Ernte gehen. 2000 Jahre Kirchengeschichte, mit vielem Positivem, aber noch mehr Negativem, hat immer wieder gezeigt, dass Priester und Bischöfe ihrem Auftrag häufig nicht gerecht werden. Verkündet wird oftmals nicht „Das Reich Gottes ist nahe“, sondern es werden Anweisungen gegeben, wie man es sich in dieser Welt recht gut einrichten solle. Haben wir vergessen, auf das Reich Gottes hinzuweisen?

Pastoralpläne werden geschmiedet…

Viele Pastoralpläne werden geschmiedet, man scheint sich darauf einzurichten, dass es immer weniger Priester gibt, Diözesen versuchen, in eine Zukunft zu schauen, die uns grundlegend verborgen ist, und planen Diözesen mit 20 und weniger Pfarreien, damit alles gut „verwaltet“ wird. Doch der Geist der Freude und der Hoffnung auf das wirklich kommende Reich, der Geist dessen, auf dessen Hilfe man sich ohne jede Frage verlassen kann, kommt zu kurz und nicht mehr in den Blick.

Und Priester sind nicht mehr die Arbeiter, die diese frohe Botschaft verkünden, sondern – wenn es sie noch gibt – von den Menschen oft mit Verachtung gestraft. Ein Priester gehört zur „Täterorganisation“ der Kirche, wie es selbst einmal ein deutscher Bischof ausgedrückt hat. Die Wölfe sind schon in die Kirche eingedrungen – diesen Eindruck habe ich schon hin und wieder.

Bittet den Herrn der Ernte

Kaum erlebe ich, dass der Aufruf des Herrn: Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden, auch Folge geleistet wird. An anderer Stelle sagt Jesus: Bittet, dann wird Euch gegeben, klopft an, dann wird Euch aufgetan werden.

In vielen Ländern der Erde gibt es genug Priesternachwuchs. Besonders dort, wo es nicht unproblematisch ist, sich als Christ zu bekennen. Auch in Ägypten, dem Land, in dem ich seit 25 Jahren lebe.

Vielleicht können wir ja wieder neu lernen zu beten: Herr, sende Arbeiter in Deine Ernte!

 

Unser Sonntag im Juli mit Joachim Schroedel aus Kairo

Der gebürtige Mainzer wuchs in Dresden in der damaligen DDR auf und trat 1974 in das Priesterseminar in Mainz ein. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie wurde er 1983 zum Priester geweiht.

Zunächst war er als Kaplan und im Schuldienst tätig, um dann ab 1995 Auslandsseelsorger für die deutschprachige katholische Gemeinde in Kairo zu werden. Dann war er auch für Syrien, Jordanien, den Libanon, Sudan und Äthiopien zuständig. 2014 wurde die deutschsprachige Seelsorgestelle Kairo durch die Deutsche Bischofskonferenz eingestellt.

Joachim Schroedel wurde 2014 durch den Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann emeritiert. Er ist weiterhin im Auftrag des Apostolischen Vikars für die etwa 4000 röm.-kath. Christen deutscher Sprache in Ägypten tätig, wo auch etwa 250.000 mit Rom unierte Christen leben.

(radio vatikan – redaktion claudia kaminski)