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In seinem ersten Kommentar zum Evangelium macht uns Leonard Skorczyk auf die verschiedenen Ebenen der Dankbarkeit aufmerksam. Für ihn und seine Weihekollegen war das stärkste Gefühl nach der Priesterweihe vor drei Monaten die Dankbarkeit – als die Aufregung nachgelassen hatte.
Leonard Skorczyk
Kaplan
Lk 17, 11–19
Wir haben eine großartige Möglichkeit an diesem Erntedanksonntag uns eine tolle Stelle aus dem Lukasevangelium anzuschauen; und über den dankbaren Samariter und das Erntedankfest hinaus über die Grundhaltung der Dankbarkeit als eine Tugend aller Christen nachzudenken.
Die Dankbarkeit ist ein Gefühl, oder besser eine Haltung der Anerkennung von guten Dingen, die einem im Leben passieren, oder die man vorfindet.
Wenn wir die Tradition des Erntedankfestes betrachten, dann kommen wir auf eine erste, sozusagen eine Basisebene der Dankbarkeit. Ich hab diese Dankbarkeit sehr konkret erleben können. Ich war in den Wochen nach meiner Priesterweihe, im vergangenen Sommer, einige Wochen als Urlaubsvertretung in einer kleinen Gemeinde im Oberpfälzer Wald eingesetzt. In dieser Pfarrgemeinde Rötz leben wahrscheinlich mehr von den landwirtschaftlichen Branchen als in der Pfarrei, in der ich jetzt eingesetzt bin. Diese Menschen haben mich dadurch beeindruckt, dass ich bei Ihnen im Alltag und im menschlichen Umgang, in ihrem Leben allgemein viel Dankbarkeit gefunden habe. Genau aus diesem Bereich kommt das Erntedankfest.
…die grundsätzlichen Überzeugung, dass wir dafür dankbar sind, dass alles was wir empfangen von Gott stammt.
Es kommt von der grundsätzlichen Überzeugung, dass wir dafür dankbar sind, dass alles was wir empfangen von Gott stammt. Egal ob es im landwirtschaftlichen Sektor passiert oder ob etwas Anderes geschaffen wird. Das stammt von der Erkenntnis, dass es mehr braucht als das, was wir Menschen dazu getan haben. Einen Schöpfer, der das grundgelegt hat, was wir überhaupt erst bearbeiten und danach empfangen können.
Das ist der Kern des Erntedankfestes und die erste Ebene der Dankbarkeit. Auch für einen Priester, für die meisten ist es häufig spürbar, dass wir Schönes aus der Natur empfangen.

Die erste Ebene der Dankbarkeit

Wenn wir bei einem Spaziergang die Schönheit unsere Natur entdecken. Etwas selber starten: als ich zum Beispiel einen wilden Weinstock gepflanzt habe, der jetzt Teile unseres Hauses daheim schmückt. Oder wenn ich manchmal selber versuche mit meinen eigenen Händen etwas Schönes aus Holz zu schöpfen: Eine Holzbank oder Struktur aus Holz, bei der danach hoffentlich etwas rauskommt, worauf man wirklich sitzen kann. In dieser Situation spüren wir die Dankbarkeit auf ihrer ersten Ebene, und drücken diese hoffentlich auch häufig aus. Es ist die Dankbarkeit für die Schöpfung und den Schöpfer.

Heilung auf dem Weg

Wenn wir das heutige Evangelium anschauen, dann möchte ich mit Ihnen noch tiefer gehen: auf eine andere Ebene der Dankbarkeit. Wir hören heute in unserer wunderbaren Evangeliumsstelle, dass Jesus sich entschieden hat, nach Jerusalem zu gehen. Dabei muss es bei uns klingeln und es wird durch das Ziel Jerusalem schon auf Leid, Erlösung und Heil angespielt. Jesus macht sich auf den Weg von Galiläa nach Jerusalem, so muss er durch Samarien hindurch. Es scheut sich auch trotz seiner vorherigen teils schlechten Erfahrungen von Ablehnung nicht, durch Samarien zu gehen.
Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns
Er geht in ein Dorf hinein und es begegnen ihm zehn Aussätzige, die sich ihm nur mit Abstand nähern, so wie es im Buch Leviticus vorgeschrieben wird. Diese Aussätzigen erkennen Jesus Christus als jemand, der Kraft zum Heilen hat. Sie sprechen ihn direkt an und sagen zu ihm: “Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!” Danach passiert ein inhaltlicher Sprung und im Vergleich zu einer vorherigen Heilungsgeschichte des Lukasevangeliums bekommen wir hier weder detaillierte Beschreibungen der Taten oder Worte Christi mit. Die Heilung findet auf dem Weg statt, da Jesus sie sofort losschickt. Sie sollen dem Gesetz des Buchs Leviticus folgen und von den Priestern bestätigten lassen, dass sie geheilt sind. Das tun sie im Vertrauen, dass Jesus Christus diese Heilung wirken kann. Die Aussätzigen werden bei den Priestern wahrscheinlich auch Gott danken, dies gehört zu dem vorgeschriebenen Ritus dazu.

Tiefer: Dankbarkeit für konkret Gutes

Hier erleben wir eine Ebene der Dankbarkeit, die uns ein wenig tiefer mit hineinnimmt. Es ist eine Dankbarkeit für etwas von Gott Empfangenes, für etwas konkret Gutes. Damit ist es mehr als die allgemeine Dankbarkeit für die Schöpfung.
Wenn ich auf die letzten Wochen zurückblicke, denke ich besonders an die mir geschenkten und unverdienten Gnaden: ich durfte vor 3 Monaten die Priesterweihe empfangen. In meiner Erinnerung ist noch sehr präsent, wie ich nach dem Weiheakt und mit schon leicht abfallender Aufregung ein unglaubliches, tiefes Gefühl der Dankbarkeit verspürte. Auch meine Weihekurskollegen bestätigten mir, dass bei Ihnen Dankbarkeit das erste und stärkste Gefühl in dieser Situation war. Auch später bei meinen ersten Beichten, die ich entgegennehmen durfte, bei der ersten Taufe eines Kindes und bei den ersten heiligen Messen.

Dank für Taufe, Ehe oder auch Arbeit

In all diesen Momenten fiel mir die Dankbarkeit angesichts der großen Geschenke Gottes leicht. Ich denke in diesem Kontext z.B. auch an frisch Verheiratete und deren hoffentlich große Dankbarkeit nach dem Ja-Wort. So auch bei einem Ehepaar kurz nach der Geburt, beim ersten im Arm Halten des Neugeborenen. Auch ein wenig normaler: Ein länger suchender Arbeitsloser wird von Dankbarkeit erfüllt, wenn er einen Arbeitsplatz gefunden hat.
Diese konkreten Anlässe zeigen eine spezielle Dankbarkeit, die uns einfach fällt oder natürlich kommt. Auch für Hörer des Evangeliums, die nicht die Ernte mit den eigenen Händen einbringen wird es persönlicher und relevant. Es ist jedoch noch keine Grundhaltung und Tugend der Dankbarkeit, die uns auch ein Leben lang als Christ tragen kann.
Dankt für alles; denn das ist der Wille Gottes für euch in Christus Jesus.” (1 Thess 5,16-18 EU)
Wenn wir eine weiterführende Dankbarkeit suchen, kann uns der erste Brief an die Thessalonicher helfen. Wir hören von einer Dankbarkeit, die über konkrete Anlässe und Geschenke hinausgeht. “Freut euch zu jeder Zeit! Betet ohne Unterlass! Dankt für alles; denn das ist der Wille Gottes für euch in Christus Jesus.” (1 Thess 5,16-18 EU) Hier spricht der Apostel davon, dass wir nicht nur gegenüber Gutem Dankbarkeit zeigen sollen, sondern in allen Lebenslagen. Falsch verstanden kann das als Hohn wahrgenommen werden. Wie können wir einer Person in einer ernsthaften Krise, angesichts von tiefem menschlichem Leid oder besonderen Herausforderungen, die Dankbarkeit empfehlen?

Perspektive auch nach Leid

Ich denke diese Form der Dankbarkeit kann nur durch den letzten Satz der genannten Bibelstelle verstanden werden: denn das ist der Wille Gottes für euch in Christus Jesus. Jesus Christus kann unsere Perspektive auf alle, nicht nur auf die schönen Aspekte unseres Lebens, verändern. Durch seine Menschwerdung und Inkarnation hat er die Menschlichkeit nicht nur in ihren schönen Aspekten oder in seiner Verklärung angenommen. Er hat sie komplett angenommen, und musste so durch Leid und Tod gehen, um uns so durch seine Auferstehung zu erlösen. Das bedeutet sicherlich nicht, dass wir eine Verpflichtung haben, in schlechten Situationen unseres Lebens eine unnatürliche und künstliche Form der Freude und des Spaßes zu zeigen. Es bedeutet, dass wir die Hoffnung auch im Leid sehen können, dass wir unserer Leid mit dem Leid Christi verbinden können und so auch an seiner Verklärung Anteil erlangen. Es ist die Perspektive, dass es für uns immer einen Moment nach dem Leid geben wird, die Garantie Jesu Christi, dass er unsere Tränen trocknet und uns an seinem Glück Anteil schenkt. Hoffentlich nicht erst, aber spätestens bei der ewigen Erlösung bei ihm.

Jesus: Wahrer Gott und Wahrer Mensch

Auch bei dem einen, dankbaren Samariter erleben wir, dass er anders handelt. Er tut streng genommen nicht, was Christus ihm sagt. Er geht nicht sofort zu den Priestern, sondern er wendet sich um. Als er merkt, dass er geheilt wurde, bemerkte er auch etwas Größeres, was hiermit verbunden passiert ist. Er läuft zu Jesus Christus und fällt vor ihm zu Boden. So erkennt er durch diese Geste der Anbetung ihn nicht nur als Wunderheiler und Propheten an, sondern auch als das, was er wirklich ist: als der Messias, als wahrer Mensch und wahrer Gott. Dafür lobt ihn Christus selbst und bestätigt, dass sein Glaube ihn gerettet hat. Bei genauer Betrachtung kann das nicht mehr seine körperliche Heilung meinen, die schon abgeschlossen ist. Durch sein Niederfallen und Anbeten empfängt er mehr als nur die körperliche Heilung. Dadurch zeigt er uns sozusagen eine danksagenden, eine eucharistische Grundhaltung.
Dankbarkeit, als Grundhaltung wegen der Erlösung durch Jesus Christus
Wenn wir mit dem dankbaren Samariter gehen und wie er handeln, erkennen wir, dass wir nicht nur für die Schöpfung und gute Dinge im Leben dankbar sein können. Sondern er zeigt uns, dass wir Dankbarkeit, als Grundhaltung wegen der Erlösung durch Jesus Christus, in jeder Situation anwenden können. So können wir selbst im Angesicht des Todes ein Requiem für einen Verstorbenen feiern. Wir können Eucharistie feiern, das heißt Danksagung. Selbst in eine Situation von Leid und Tod können wir Dankbarkeit hineinbringen – und das ohne es irrational oder emotional verdreht tun zu müssen. So können wir mit dem Apostel sprechen:
“Freut euch zu jeder Zeit! Betet ohne Unterlass! Dankt für alles; denn das ist der Wille Gottes für euch in Christus Jesus.” (1 Thess 5,16-18 EU)
Ich wünsche uns, dass wir mit dieser Haltung des dankbaren Samariters, mit einer Haltung der Dankbarkeit in jeder Lebenssituation und durch unseren Herrn Jesus Christus unser Leben besser führen können. Und so überzeugendere Christen werden, indem wir diese Dankbarkeit immer ausstrahlen.
(radio vatikan – redaktion claudia kaminski)

Im Oktober begleitet uns bei Unser Sonntag Leonard Skorczyk. Der 25-jährige stammt aus der Pfarrei Heilige Dreifalitgikeit in Amberg und studierte Theologie in Heiligenkreuz, den Vereinigten Staaten und in Regensburg. Am 26.Juni 2021 wurde er in Regensburg von Bischoff Rudolf Vorderholzer zum Priester geweiht.
Derzeit ist er in der Domstadt Kaplan in der Pfarrei Herz Marien.


Durch eine frühe Begeisterung für Evangelisierung und Mission begann er sofort nach dem Abitur mit dem Studium der Philosophie, Theologie und Psychologie und trat mit 18 Jahren ins Priesterseminar ein. Schon während des Studiums wirkte er bei Medienprojekten mit.

Seine Abschlussarbeit schrieb er im Bereich der perimortalen Wissenschaften, über die Verbindung von Seelsorge und Trauerarbeit